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Gefangen in „Freiheit“ – sichtbare Muslimin sein in Österreich

Es sind zwei Welten in denen ich lebe-zwei disparate Sphären. Ich bin das erste Kind einer Familie, die sehr viel Wert auf die Bildung ihrer zwei Töchter gelegt hat. Die Tochter einer Mutter, die ihre Töchter immer ermutigt hat sich gegen jene Grenzen zu wehren, die ihnen, ihren Gedanken und ihren Träumen gesetzt werden. In dieser Welt ist alles möglich, alles woran ich glaube. Solange ich es nur will und hart genug dafür arbeite. Ich bin die Tochter eines liebevollen Vaters, der seine Töchter immer unterstützt hat, der an sie glaubt. Ein Vater, der gerne von seinen Töchtern lernt, den es stolz macht, selbstbewusste und starke Töchter zu haben. Ich habe diese Angewohnheit, schnell zu sprechen wenn ich aufgeregt oder in dem Moment sehr interessiert bin, wenn mich etwas sehr bewegt und ich emotional bin. Meine bessere Hälfte, ein Mann dessen scharfen Verstand und unendlich großes Herz ich gleichermaßen schätze,er hasst es unterbrochen zu werden. Er lässt mir jedes Mal den Vortritt. Er fördert mich, er fordert mich. Ja, ich sehe es in seinen Augen, er liebt es wenn ich mich stark fühle und selbstbewusst. Er ist eine Quelle meiner Inspiration. Dann gibt es diese andere Welt, der ich immer wieder zu entfliehen versuche. Eine Welt, die es schafft mich immer wieder einzuholen. Es ist eine Welt selbstverherrlichender, arroganter Männer und leider auch Frauen, die meinen Körper,meine persönlichen Grenzen und meine körperliche Integrität immer wieder zur Debatte stellen um damit politisches Kleingeld zu machen. Meine Spiritualität, mein Glaube, mein tiefstes Inneres, mein „Ich“, ein Teil meiner Persönlichkeit  wird immer wieder öffentlich ausgenutzt-von profitgeilen Idioten. Ich möchte mich entfalten, mich weiterentwickeln, ich lese deshalb viel- über couragierte Musliminnen der Vergangenheit und der Gegenwart,ich recherchiere über sie . Sie sind Vorbilder. Politische Partizipation, starke Frauen die sich für die Rechte aller ungleich behandelten Menschen eingesetzt haben. Doch dann bin ich im nächsten Augenblick wieder gefangen in diesem tiefen Ozean der Hetze, der Erniedrigung. Es fällt so schwer zu atmen, ich schnappe immer wieder nach Luft, versuche an die Oberfläche zu gelangen. Es fühlt sich an als ob meinem Geist, meinem Intellekt Ketten angelegt werden- jedes Mal. Und jedes Mal aufs Neue versuche ich mich von diesen Ketten zu befreien. Jeder Mensch hat das Recht auf ein würdevolles Leben in Frieden. Dies ist ein Menschenrecht. Wieso wird muslimischen Frauen mit jeder neuen Scheindebatte dieses Recht verwehrt, indem man wieder einmal über eine Zwangsbefreiung phantasiert.

Begüm Gördü
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