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Khalif auf Erden…
Ferhat Özbay

Angesichts dessen, dass der „Orient“ seit dem 14. Jahrhundert in ganz Europa erforscht wird, darf man sich über die ständig neu aufflammenden Debatten über den Islam und die Muslime nicht wundern. Diesen Diskurs kann man aus unterschiedlichen Perspektiven, wie z.B. dem Orientalismus, beleuchten und anschließend aus diversen Blickwinkeln beurteilen und kritisieren.

Auch Muslime selber beteiligen sich an diesen Debatten. Zumeist jedoch in einer eher reaktionäreren Art; ständig versuchen Muslime zu zeigen, was der Islam NICHT ist. Permanent ist man damit beschäftigt, gewissen, sich ständig wiederholenden Ereignissen gegenüber sich zu rechtfertigen.

Eine andere Vorgehensweise, erscheint jedoch einleuchtender:
Meines Erachtens nach müssen Muslime sich so schnell wie möglich von diesen Fesseln des Beurteilens, des Debattierens und des Reagierens lösen und für die Gesellschaft, in der sie leben und die vor diversen Herausforderungen steht, neue Akzente im Lichte des Islam und des Zeitgeistes setzen („teklif“):

Sei es in der Ökonomie (Bsp. Konsumwahn oder ungerechte Vermögensverteilung), in der Ökologie (Bsp. Umweltverschmutzung), in sozialen Aspekten (Bsp. Familie), in Belangen der Ethik oder bei Fragen, die das Individuum und seinen inneren Frieden betreffen.

Falls Muslime tatsächlich den Anspruch („iddia“) erheben, dass der Islam für die oben erwähnten Themen und weitere (Alternativ-) Lösungen bietet, so sind sie als Sachwalter („khalif“) Gottes auf Erden dazu verpflichtet, diese Wege ohne jegliche Erwartung erneut zu erkunden, zu durchleuchten und für das Wohl ihrer Mitwelt (ein Dank an Ursula Fatima Kowanda Yassin für den Begriff) diese neuen Erkenntnisse bereit zu stellen.

Wir müssen einzig und allein die Absicht hegen, „im Guten wettzueifern“ (5:2), unsere Herzen, unsere Türen, unsere Moscheen zu öffnen und den zum inneren Frieden führenden Lebensstil und das Gedankengut so aufrichtig wie möglich zu repräsentieren („temsil“).

Denn schlussendlich sind wir nicht dafür verantwortlich, ob das Schiff am Hafen ankommt oder nicht, sondern dafür, dass wir in stürmischen Zeiten dafür gekämpft haben.

Ferhat Özbay
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