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Der muslimische Fastenmonat Ramadan

Liebe FreundInnen, liebe Freunde!

Ihr werdet ab nächsten Montag merken, dass in eurem Umfeld Menschen die noch am Freitag mit euch Kaffee getrunken haben, in der Früh ein Kipferl gegessen haben, bei der Mittagessen-Bestellung mitgemacht haben, heute all dies nicht mehr tun!

Ja, der muslimische Fastenmonat Ramadan (Ramazan) hat dann wieder begonnen (genau genommen am Wochenende). Ja, er beginnt tatsächlich diese Woche, auch wenn ihr schwören könnt, dass beim Türkei Urlaub vor 8 Jahren der Ramadan im August war. Der Islamische Kalender richtet sich nach Mondjahren und das Jahr ist somit um 11 Tage kürzer als ein Sonnenjahr. Somit beginnt der Fastenmonat jedes Jahr um 11 Tage früher als im Vorjahr. Um euch aber die Fragerei mit Fastenden (die diese stoisch Jahr für Jahr beantworten, auch wenn die selbe Person im Vorjahr exakt die gleichen Fragen gestellt hat 🙂 ) zu ersparen, ein paar kleine Fakten:
Gefastet wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Ausnahmslos! Bei Regenwolken wird natürlich gefastet, da ja die Sonne nicht vom Himmel fällt, sondern in dem Augenblick bei uns nicht zu sehen ist. Auch in den Keller gehen lässt die Sonne nicht vom Himmel fallen 🙂

Dh, Menschen die fasten, stehen derzeit um ca. 2h30 in der Nacht auf und Essen und Trinken noch etwas bevor das Fasten beginnt. Auch wenn die Fastenden (meistens) versuchen, möglichst leise zu sein, bitte nicht über Schritte oder leises Geschirrgeklapper in der Nacht wundern. 99,9% werden es nicht bemerken, dass ihre muslimischen NachbarInnen fasten.

Und man fastet bis Sonnenuntergang (also bis ca. 21h). Da werden in der Regel FreundInnen und NachbarInnen eingeladen, es wird zwar groß aufgetischt, aber da der Magen in diesem Monat ja nicht auf die dreifache Größe anwächst ist er wie bei jeder Mahlzeit sehr schnell voll. Also wer immer Vorstelungen wie im Film „Das große Fressen“ hat: so geht es da definitiv nicht zu 😉

Fasten bedeutet, in dieser Zeit nichts zu sich zu nehmen. Nichts, nada, niente! Und jetzt kommt es: ja, auch KEIN WASSER…auch wenn es diese Befürchtungen von wohlmeinenden nicht Fastenden immer wieder gibt: ein gesunder (!) Mensch stirbt nicht, wenn er tagsüber nichts trinkt (und trägt auch keine bleibenden Schäden davon)…Sorgen sollten sich prinzipiell alle Menschen machen, die auch im Sommer nur 2 Gläser Wasser pro Tag trinken…egal ob fastend oder nicht

By the way: Rauchen, Kaugummi kauen, Infusionen, Medikamente usw. brechen ebenfalls das Fasten. Da kommen wir gleich zum nächsten Punkt: die „Ausnahmen“ Logischerweise gilt das Fastengebot für gesunde Menschen. Bei chronisch Kranken, wie zum Beispiel bei Diabetikern, die nicht fasten dürfen, ist es genau geregelt, wie sie sich im Fastenmonat zu verhalten haben (sollte das jemand interessieren gibt es gerne eine PN mit dem Zertifikat „Fasten PRO“ 😉 )

Auch Schwangere, temporär Kranke, Reisende, zu diesem Zeitpunkt körperlich schwere Tätigkeiten Leistende und Frauen, die gerade ihre Monatsblutungen haben, sind vom Fasten ausgenommen (diese Gruppe kann dann die versäumten Fastentage nachholen). Also wenn man sich unangenehme Antworten ersparen möchte, bitte nicht fragen „Wieso fastest DU (heute) nicht?“ Man ist kein Salafist, wenn man fastet. Fasten ist eine der 5 Säulen des Islam und somit eine Pflicht für jede/n Muslim/a.

Aber auch hier gilt natürlich: jede/r Gläubige ist allein Gott (Allah) verpflichtet, er/sie muss niemandem Rechenschaft abliefern, auch wenn er/sie nicht die 5 Säulen einhält. Fastende dürfen aber nicht nur nichts zu sich nehmen, sondern müssen (von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang) auch sexuell enthaltsam sein (auch „unreine“ Gedanken tunlichst vermeiden) und wenn möglich nicht schimpfen, zornig sein usw. (in der Fastenzeit wurden und werden oft Konflikte, ja sogar Kriege entweder gelöst bzw beendet, bzw. zumindest in dieser Zeit ruhen gelassen). Es ist eine Zeit der Inneren Einkehr und durch die körperliche Enthaltsamkeit soll man besser in sich hören können.

Man soll auch in dieser Zeit nur im Ansatz erfahren, was es bedeutet Hunger oder Durst zu haben (im Wissen, dass wir am Abend vor reich gedeckten Tischen sitzen, hingegen Menschen in den ärmeren Regionen unserer Welt auch am Abend kein Trinkwasser haben und hungrig schlafen gehen müssen. Das Fasten soll ein Anreiz sein zu teilen.

So, das war jetzt ein Crashkurs und ich werde sicher das eine oder andere vergessen haben. Aber im Endeffekt soll es ja nur helfen zu Verstehen. Ich danke allen, die den Text bis hierher gelesen haben 🙂

P.S.: dieser Text ist von mir im letzten Jahr bereits gepostet worden, ich habe ihn nur modifiziert

Mustafa Yenici
Mustafa Yenici

Mustafa Yenici

SPÖ Wien
Büro für Integrations- und Diversitätspolitik
Mustafa Yenici

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